Die Kunst des Alterns 

Louise Bourgeois, Marrie Bot, John Coplans (1920-2003), Anton Corbijn, Ines Doujak, Herlinde Koelbl, Maria Lassnig, Vera Lehndorff, Nicolas Nixon, Andres Serrano, Cindy Sherman, Miwa Yanagi

Pressekonferenz: Mittwoch, den 5.9., 10 Uhr
Eröffnung Schwaz: Freitag, den 7.9., 22.30 Uhr (im Rahmen der Eröffnung der Klangspuren Schwaz)
Eröffnung Bozen: Donnerstag, den 6.9., 18.30 Uhr (im Rahmen von Transart Bozen)

Es erscheint ein Katalog am Ende der Ausstellung.

Gruppenausstellung kuratiert von Sabine Gamper, ar/ge kunst, Galerie Museum, Bozen (I) und Karin Pernegger, stadtgalerie schwaz, Tirol (A)

Vermittlungsprogramm stadtgalerie schwaz, Tirol:
Sa, 8.9.07, 17 Uhr: Künstlerinnengespräch mit Marrie Bot über ihre Fotoserie „Timeless Love“ (2004) und Sassa Trülzsch (Galeristin der Künstlerin, Berlin) über Vera Lehndorff mit abschließender gemeinsamer Diskussion und Umtrunk
Do, 4.10.07, 19 Uhr: Vortrag von Dr. Hanna Gagel, Kunstwissenschaftlerin, Berlin/ Zürich: „So viel Energie. Künstlerinnen in der dritten Lebensphase.“
Sa, 6.10.07, 18-0 Uhr: Lange Nacht der Museen
Fr, 26.10.07, 11-18 Uhr Kulturmeile

stadtgalerie schwaz radio auf 105,9 Hz im Raum Innsbruck oder Live-Stream auf www.freirad.at jeweils Di, 18.9. und 16.10.07 von 19 – 20 Uhr mit Beiträgen und Musik zum Thema.

Künstlerliste stadtgalerie schwaz, Tirol:
Louise Bourgeois
Marrie Bot
John Coplans (1920-2003)
Anton Corbijn
Ines Doujak
Herlinde Koelbl Maria Lassnig
Vera Lehndorff
Nicolas Nixon
Andres Serrano
Cindy Sherman
Miwa Yanagi

Künstlerliste arge kunst, Bozen
Marina Ballo Charmet
Daniela Chinellato
Marcell Esterhazy
Elisabeth Hölzl Melanie Manchot
Aernout Mik
Imogen Stidworthy
David Zink Yi

Motiv der Gemeinschaftsausstellung

Das 21. Jahrhundert erfindet das Alter als Generation plus 50 in seiner Kaufkraft und alterspezifischen Bedürfnissen neu. Ob jedoch wirklich eine Integration des Alters in die Gesellschaft damit zu gelingen scheint, oder wir das eigentliche Bild des Alters nur rückwirkend der Jugend verpflichten, versuchen beide Ausstellungen zu recherchieren.

Angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft und den damit verknüpften Herausforderungen wird klar, dass wir neue Bilder brauchen, um dem Thema des Alterns gerecht zu werden. Die von Sabine Gamper (arge kunst bozen) und Karin Pernegger (stadtgalerie schwaz) kuratierte Gemeinschaftsausstellung, recherchiert anhand von Werken zeitgenössischer Kunst das Alter sowohl im Kontext von Familie und Gesellschaft wie auch mit Augenmerk auf den alternden Körper zwischen Verlustangst und Intimität. Die Ausstellungen zeigen eindrückliche Porträts über das Älterwerden, über Nostalgie und Erinnerung, den Mythos der Jugend, sowie den Blick jüngerer Familienmitglieder auf ihre Eltern und Großeltern.

In Schwaz findet eine Annäherung an das Selbstbildnis und die Eigenwahrnehmung statt: die eigene Identität, der Körper und seine natürliche Sexualität stehen im Vordergrund. Die Ausstellung in Bozen fokussiert die Außenwahrnehmung des Themas im Spiegel der Gesellschaft und der Familie.

Wir leben in so vielen Bildern, wie das Alter auszusehen hat, aber leben mit so wenigen Bildern, die unser aktives Alter spiegeln. Die Schönheit des alten Körpers steht im Vordergrund. Beide Ausstellungen versuchen einen Anstoß hierzu zu geben.



Einleitung zum Thema

Unsere Welt verändert sich. Nicht nur der Klimawechsel, die Globalisierung und die daraus entstehende Konzentration zwischen Wirtschaftsmächten, Krieg und Ressourcenverteilung, stellen uns vor neue Probleme, sondern auch die Veralterung der Gesellschaft fordert neue Lösungen. War das Alter in der Antiken Welt noch ein intellektuelles Konzept staatsmännischer Reputation fern von Krankheit und Tod, erhielt das Alter erst in den letzten 200 Jahren ein persönliches Gesicht. Die Jahrhunderte dazwischen setzten Alter mit Sterben gleich, sofern man alt wurde. Das 19. Jahrhundert markiert nicht nur mit der Erfindung der Medizintechnik einen Wendepunkt, sondern Otto von Bismarck führte auch erstmals die Kranken-, Alters- und Pflegevorsorge ein und definierte Alter als Verantwortung für ein sozialstaatliches System. Umso radikaler veränderte sich jedoch unter den positiven Vorzeichen der Aufklärung die Außenwahrnehmung des Alters hin zu einer Sentimentalisierung. Zukünftig lebte der Greis im Kreis der Familie auf dem Niveau seiner Enkelkinder und war schnell seiner Insignien eines produktiven und selbständigen Lebens entledigt. Die Moderne setzt das Altwerden daraufhin mit Schuld gleich und Simone de Beauvoir forderte schon in den 70er Jahren eindringlich eine Neubewertung des Themas. Bis heute können wir die Folgen der Alterung unserer Gesellschaft nicht abschätzen, aber auch mit der Studie Frank Schirrmachers „Der Methusalem-Komplott“ (2004) wird klar, dass wir neue Bilder brauchen, um gegen den Altersrassismus anzukämpfen.

Zu den künstlerischen Arbeiten: Das reale Alter

Beide Ausstellungen versuchen ein aktives Bild des Alterns mit all seinen Qualitäten und Problemen zu skizzieren und klammern deswegen eine grundsätzliche Gleichsetzung des Alterns mit Krankheit, Elend oder Tod aus, da dies – trotz der Zwangsläufigkeit – grundsätzlich jede Altersstufe betreffen kann.

Bei der Auswahl der einzelnen Arbeiten war es uns wichtig Künstlerpositionen zu wählen, die eine konzeptionelle Herangehensweise gegenüber der ausschließlich dokumentarischen Behandlung des Themas vorzogen. Allen Arbeiten ist eine sehr intime Selbsterfahrung mit dem Alter gemeinsam, sei es mittels der sensiblen Befragung von Menschen, der Dokumentation des eigenen Körpers oder der eigenen Familie, die z.B. den Verlust eines Elternteils, der das Alter am intimsten Scheidepunkt des Lebens dokumentiert oder dem Porträt der eigenen Ehefrau zeigen.

Sehr eindrückliche Porträts über das Älterwerden erschließen sich in den dokumentarischen Fotoserien des amerikanischen Fotografen Nicholas Nixon, der deutschen Fotografin Herlinde Koelbl, der niederländischen Fotografien Marrie Bot und dem 2003 verstorbenen Britischen Fotografen John Coplans.

Seit 1975 begleitet Nicholas Nixon mit der Serie „The Brown Sisters“ seine Ehefrau Bebe Brown Nixon und deren drei Schwestern. Jedes Jahr fertigte er in gleicher Haltung und Pose ein Porträt von ihnen an. Die sich verändernden Gesichtzüge und die geschwisterliche Umarmungen werden zu einem sensiblen und intimen Zeitdokument des gemeinsamen Alt-Werdens.

Ebenso begleitet die Deutsche Fotografien Herlinde Koelbl mit ihrer Kamera Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg. In der Ausstellung zeigt sie Ausschnitte zweier Werkgruppen. Aus der 1996 entstandenen Serie „Starke Frauen“ zeigt sie die s/w Porträts der 80-jährigen Nina – Tochter eines russischen Fürsten – die sich in voller Nacktheit fotografieren lies. Es entstanden Fotografien, die den weiblichen Körper in ein weiches und samtiges Licht tauchten. Umso tiefer bewegt emotional die Arbeit über die verstorbenen Eltern, die sich aus einer 6-teiligen Fototafel zusammensetzt und das Paar jeweils im Sterbebett zeigt. Zentrum der Serie ist das Bild der sich haltenden Hände des Ehepaars, das zu Lebzeiten aufgenommen wurde und die innige Verbundenheit über den Tod hinweg zum Ausdruck bringt.

Die Arbeit von Herlinde Koelbl und John Coplans konzentrieren die Vergänglichkeit des Körpers im Alter in seiner Intimität von Anmut und Sein. Exemplarisch nähert sich der britische Fotograf John Coplans (1920 – 2003) seinem eigenen nackten Körper, den er seit seinem 64. Lebensjahr ab 1984 fotografierte. Bewusst sparte er seinen Kopf aus, um seinem Körper den Charakter einer Skulptur zu bemessen, um die Veränderung des propagierten maskulinen Schönheitsideals zu diskutieren.

In der 2004 entstandenen Fotoserie „Timeless Love“ der niederländischen Künstlerin Marrie Bot existiert der nackte alte Körper in seiner vollen Schönheit und seinem natürlichen Begehren, das von den Massenmedien nur zu oft ausgeblendet wird. Die Fotografin suchte per Annonce Paare, die sich von ihr in intimen Posen fotografieren ließen. Es entstanden eindrückliche Porträts, die die Sinnlichkeit der Liebe im Alter unterstreichen und fern ab von den Stereotypien unserer sexualisierten Lebenswelt Liebe im Alter offen und ohne Scham zeigen.

Auch Andres Serrano blendet das Alter in seiner Fotoserie „Sex“ nicht aus und zeigt eine nackte Frau mit dem Titel „Budapest (The Model)“, die sich in einem großzügigen Loft in mondäner Haltung rauchend auf einen Gehstock stützt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die nackte Frau auf einer im Hintergrund liegenden Matratze und die damit verbundene Assoziation einer lesbischen Beziehung.

Die Scham vor dem nackten alten Körper und die Akzeptanz von Alter und Weiblichkeit thematisiert auch die österreichische Künstlerin Ines Doujak in ihrer Arbeit „Dirty Old Woman“, die sie zuletzt 2005 in einer Einzelausstellung im Salzburger Kunstverein gezeigt hat. In Schwaz versammelt sie gleich einem Schmetterlingsammler in einer Glasvitrine die Nacktporträts von alten Frauen, die sich frivol und lustig über die vorgefertigten Rollenzuschreibungen hinweg setzen.

Das fiktionale Alter
Auch wenn die Ausstellung versucht, ein positives und natürliches Bild über das Altern aufzuzeigen, bleibt die Frage: Dürfen wir denn wirklich so altern, wie wir wollen? Oder liegt das nicht Altern dürfen im Mythos der Jugend begründet?

Veruschka, mit bürgerlichem Namen Vera Lehndorff bzw. Vera Gottliebe Anna Gräfin von Lehndorff, war in den 60er Jahren das erste deutsche Supermodel. Schon auf dem Höhepunkt ihrer Modelkarriere begann Vera Lehndorff die ambivalente Auseinandersetzung mit ihrem perfekten und schlanken Körper (bei einer Körpergröße von 1,83 m) zum Thema ihrer Kunst zu machen. Es entstanden in Folge Körperübermalungen, die sie gemeinsam mit dem deutschen Maler Holger Trülzsch in Fotoserien festhielt. In den 90er Jahren griff sie diese Arbeitsweise wieder auf und re-inszenierte ihr Modelimage Veruschka als Camouflage. Gemeinsam mit dem deutschen Fotografen Andreas Hubertus Ilse entstanden zwischen 1992-96 die „Veruschka Self-Portraits“ in New York, zu denen Veruschka in unterschiedliche Rollen schlüpfte: von der alternden Diva bis zum wilden Tier am Flussufer des Hudson Rivers. Es entstanden eindringliche Porträts, die das Alter durch die zeitlose Schönheit von Vera Lehndorff sprichwörtlich verblassen lassen, aber zugleich auch das Alter im Mythos seiner Jugend spiegeln. Mythen altern nicht, sondern werden zum Zerrbild des eigenen Selbstbildnisses.

Diesem Mythos spürt auch die Fotoarbeit von Anton Corbijn nach, der die Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull sinnlich porträtierte. Die Porträts des niederländischen Fotografen arbeiten bewusst entgegen den Rollenmustern des Hollywood-Boulevards und versuchen die von den Medien und Gazetten produzierten Starsklischees in sensible Porträts zu verwandeln. Deswegen bilden beide Positionen, Lehndorff und Corbijn, einen kritischen Gegenpol zu der Jugendlichkeit produzierenden Medienmaschine.

Die dokumentierte Zeit des Alterns komprimiert die japanische Künstlerin Miwa Yanagi mit ihrer fotografischen Recherche „My Grandmothers“. Per Annonce befragte die Künstlerin in Japan junge Frauen, wie sie sich ihr Leben in 50-60 Jahren vorstellen würden. Entsprechend ihrer jeweiligen Vorstellungen und Antworten inszenierte und schminkte die Fotografin die jungen Frauen. Es entstanden Bilder, die deren Auffassung über das Alter entlarven, da die dargestellten Szenen – als Düsenjetpilotin oder als Freundinnen nach einer Party – das Alter in ihrer gewohnten jugendlichen Vorstellungen darstellten.

Die Inszenierung des Alltäglichen, war seit jeher Ausgangspunkt der fotografischen Arbeit von Cindy Sherman. In ihrer 1976 entstandenen und 2005 wieder aufgelegten Arbeit „Bus Riders“ (dt. Busfahrgäste) sieht man die Künstlerin bei ihren ersten Versuchen unterschiedlichste Identitäten darzustellen, die sie später weltberühmt machten. Schon damals schlüpfte sie in die Rolle der Teenagers wie auch der alten Frau, die nur unter Mühen im Bus aufrecht zu stehen im Stande ist. In der Ausstellung wird ein Ausschnitt der Serie „Bus Riders“ (1979-2005) gezeigt.

Den inhaltlichen Höhepunkt der Ausstellungen bilden die Arbeiten von Louise Bourgeois und Maria Lassnig. Beide Künstlerinnen stehen für eine Generation von Frauenkünstlerinnen, die vor allem erst mit Ihrem Alterswerk international beachtet wurden und daraufhin außerordentliche Impulse für die zeitgenössische Kunst setzten. Sie sind im Sinne der Ausstellung ein positives und aktives Zeichen für die Bewertung des Alterns, aber auch eindringliche Zeitzeuginnen, da sie als Frauen im Kunstbetrieb erst im Alter im Stande waren sich über die männlich dominierten Gesellschaftsmuster hinweg zu setzen. Hierzu wird die Kunstwissenschaftlerin Dr. Hanna Gagel am 4.10. um 19 Uhr einen Vortrag halten, mit dem Titel: „So viel Energie. Künstlerinnen in der dritten Lebensphase.“ Der Vortrag entspricht ihrem gleichnamigen Buch, das 2006 im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit publiziert wurde.

Maria Lassnig zeigt mit ihrem Werk „Sprechzwang“ – das 1990 entstanden ist – die Verbildlichung zwischen Sprache und Körper. Louise Bourgoise zeigt eine Gouache, die den Titel: YES YES YES. Mit dieser Gouache markiert sie einen positiven Impuls für die Kunst zwischen den Generationen und ihrer Bedeutung für die Darstellung des Alters.

Mit beiden Künstlerinnen dokumentiert die Ausstellung abschließend, dass das Alter nicht nur als temporärer Lebenszustand zu sehen ist, sondern als Summe eines Lebensweges an Erfahrungen, Niederschlägen und Erfolgen zu zählen ist. Daran bleibt auch abzulesen wie viel Verantwortung und wie viele Herausforderungen das Thema des Alterns noch für uns zu lösen bereithält. Viel zu leicht vergisst man, dass das Altern nicht nur das Erreichen eines Lebensalters darstellt, sondern ab der ersten Minute des Lebens ein unwiderruflicher Teil unserer selbst wird.



Kurzbiografien

Louise Bourgeois, geb. 1911 in Paris, ist eine französische Bildhauerin. Sie lebt und arbeitet seit 1938 in New York. Internationales Interesse erweckte Louise Bourgeois mit der Teilnahme an der DOCUMENTA IX in Kassel (1992) und der Biennale in Venedig (1993), bzw. auch in den Hamburger Deichtorhallen (1996), auf der Documenta 11 (2002), sowie in in Berlin (Akademie der Künste, 2003), Augsburg (2005), Kunsthalle Bielefeld (2006), Kunsthalle Wien (2006), und Philadelphia Museum of Art. Die Londoner Tate Modern widmet 2007 der Künstlerin zu ihrem 95. Geburtstag eine umfangreiche Retrospektive (geplante Stationen: Centre Georges Pompidou, Paris; Guggenheim, New York und Museum of Contemporary Art, Los Angeles.

Marrie Bot, geb. 1946 in Bergambacht, Niederlande, lebt und arbeitet in Rotterdam, ist eine niederländische Fotografin, die sich fotografischen Langzeitstudien widmet, die sich sozial-kulturellen Themen wie Sexualität im Alter, Migration und Sterberitualen in den Niederlanden beschäftigen. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in internationalen Ausstellungen gezeigt, 1990 erhielt sie den Dr. A. Heineken Kunstpreis für ihr Lebenswerk.

John Coplans, geb. 1920 in London, lebte und arbeitete ab 1960 in New York und San Franzisko bis zu seinem Tod 2003. Er arbeitete als Lehrer, Maler, Ausstellungskurator, Museumsdirektor, Kunstkritiker, Schriftsteller und kam erst spät zur Fotografie. Als Mitbegründer der amerikanischen Kunstzeitschrift Artforum war er zum aktiven Beobachter der amerikanischen Kunstszene geworden. Ab 1984 entstanden im Alter von 64 Jahren fotografisch festgehaltene Selbstporträts. Nicht die sterilen, Hollywood kompatiblen Stahlbodies werden uns als mögliche Objekte der Begierde vor Augen geführt, sondern der Durchschnittsleib eines gewöhnlichen New Yorkers. Coplans Arbeit ist nicht ohne Ironie und subtiler Kritik am amerikanischen „way of life" zu verstehen.

Anton Corbijn, geb. 1955 in Strijen, Niederlande, ist ein niederländischer Fotograf.
Corbijn wurde mit seinen Fotos und Musik-Videos von Popkünstlern und anderen Prominenten bekannt. Er hat unter anderem Depeche Mode, David Bowie, Miles Davis, Elvis Costello, The Killers, PJ Harvey, Clint Eastwood, Dennis Hopper, Slash, Bruce Springsteen, U2, R.E.M., Per Gessle und Nick Cave fotografiert. Im Herbst 2007 wird sein erster Spielfilm als Regisseur von „Control: The Ian Curtis Film“ in die Kinos kommen.

Ines Doujak, geb. 1959 in Klagenfurt, lebt und arbeitet in Wien. Die Künstlerin untersucht in ihren Projekten Normen menschlichen Verhaltens als strukturelle und konstituierende Elemente der Gesellschaft. Daraus entstehen Arbeiten zu Rassismen und zu (Post-) Kolonialismus bzw. gegen jegliche Form von hierarchischen Handlungsweisen oder Diskriminierungen. Aus einer dezidiert feministischen Prägung entwickelt sie ein gesellschaftskritisch orientiertes Werk im Spannungsfeld künstlerischer Produktion und politischer Agitation. Ihre Arbeit ist derzeit auf der diesjährigen documenta12 in Kassel vertreten und wurde 2005 im Salzburger Kunstverein und 2002 in der Wiener Secession in Einzelausstellungen gezeigt.

Herlinde Koelbl, geb. 1939 in Lindau, lebt und arbeitet in Neuried bei München. Die gelernte Modedesignerin wechselte 1976 zur Fotografie und arbeitete in Folge für den Stern, Die Zeit und New York Times. In ihrer künstlerischen Arbeit begleitet sie Menschen über einen längeren Zeitraum und veröffentlichte dies in Bildbänden wie: Das deutsche Wohnzimmer (1980), Männer (1984), Jüdische Porträts (1989), Starke Frauen (1996), Opfer (1996), Die Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt (1999) u.a. Neben zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland, derzeit im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Maria Lassnig, geb. 1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, ist eine der erfolgreichsten österreichischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die mit ihrer „Körpergefühlsmalerei“ einen ganz eigenen spezifischen Ausdruck gefunden hat. Sie lebt und arbeitet von 1961-68 in Paris, anschließend in New York. 1980 erhält sie einen Ruf an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo sie als erste Frau im deutschsprachigen Raum eine Malerei-Professur (bis 1997) innehat. Maria Lassnig wird für ihr künstlerisches Lebenswerk mehrfach geehrt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Großen Österreichischen Staatspreis (1988), Oskar Kokoschka-Preis (1998) und dem Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt a. M. (2004). Maria Lassnig lebt und arbeitet in Wien und Kärnten.

Vera Lehndorff (mit bürgerlichen Namen Vera Gottliebe Anna Gräfin von Lehndorff, geb. 1939 in Königsberg, Ostpreußen) begründete ihre Karriere in den 60-ziger Jahren als deutsche Schauspielerin und Fotomodell. Gemeinsam begann sie daraufhin mit dem deutschen Künstler Holger Trülzsch ihren Körper mittels Übermalungen zu inszenieren. Diese Arbeit setzte sie zwischen 1992-96 mit dem Fotografen Andreas Hubertus Ilse fort und wurde zuletzt 2006 in einer umfassenden Retrospektive in der Berliner Newton Foundation ausgestellt.

Nicholas Nixon, geb. 1947 in Detroit/ Michigan, arbeitet seit den letzten 25 Jahren verstärkt im Bereich der Dokumentarfotografie mit dem Themenschwerpunkt auf alltägliche Lebensprozesse im Kontext der Zeit, z.B. wie bei seiner Frau oder seinen Kindern Sam und Clementine, aber auch im Spiegel von Stadtentwicklung und sozialen Gemeinschaften in Schulen und Krankenhäuser. Zu seinen wichtigsten Einzelausstellungen zählen 1985 das Art Institute of Chicago, 1989 das Victoria and Albert Museum in London, sowie 1976 und 1988 im Museum of Modern Art in New York.

Andres Serrano, geb. 1950 in New York City, ist ein US-amerikanischer Künstler, der vor allem durch seine kontroversen Fotoserien bekannt geworden ist, die die schonungslos Gier der Medien nach authentischen Bildern auf die Spitze treiben. So fotografierte er in Leichenhallen oder auch in Flüssigkeit wie Blut oder Urin getauchte religiöse Objekte und Figuren.

Cindy Sherman, geb. 1954 in Glen Ridge, New Jersey, lebt und arbeitet in New York, gehört zu den wichtigsten Fotografinnen des 20. und 21. Jahrhundert und ist für ihre konzeptionellen Fotoarbeiten international bekannt. Sie ist Modell und Fotografin zugleich. In dieser Rolle untersucht und hinterfragt die Künstlerin immer wieder das zeitgenössische Frauenbild und seine Ästhetik. Zuletzt wurde ihr eine umfassende Einzelausstellung in Europa mit Stationen im Jeu de Paume, Paris; dem Kunsthaus Bregenz und dem Martin-Grophius Bau in Berlin gewidmet.

Miwa Yanagi, geb. 1967 in K?be, ist eine japanische Fotografien, die sich in ihren Kunstwerken mit soziologischen Aspekten der modernen Lebensweise des zeitgenössischen Japans auseinander setzt, insbesondere mit der Uniformität, Anonymität und Austauschbarkeit der Individuen in der Öffentlichkeit und mit dem standardisierten Rollenverhalten der japanischen Frau. 2004 widmete ihr die Deutsche Guggenheim in Berlin, sowie 2005 das Hara Museum in Tokyo, das Ohara Museum in Okahama, die NRW-Stiftung in Düsseldorf und 2007 das Chealse Art Museum in New York u.a. umfassende Einzelausstellungen.